Kein Saumagen, keine „Fleeschknepp“, keine Bratwurst? Wer fleischlos oder gänzlich pflanzlich genießen möchte, denkt dabei meist nicht in erster Linie an die zahlreichen Pfälzer Restaurants und Weinstuben. Dabei stehen inzwischen immer mehr vegetarische und vegane Angebote auf der Speisekarte, und das von der Waldhütte bis zur gehobenen Gastronomie.

Kraut und Rüben, die verschiedensten Salat- und Gemüsesorten, inklusive des Spargels, frisch von den Äckern der Vorderpfalz, dazu Pilze und Esskastanien aus dem Pfälzerwald. Das sind regionale und nachhaltige Zutaten, die immer mehr Köche zu rein pflanzlichen Kreationen anspornen. Kerstin und Kirk Bauer sprechen da aus Erfahrung. Sie sind entlang der Weinstraße stets auf kulinarischer Entdeckungsreise.

„Vor fünf Jahren fanden wir zur weitgehend rein pflanzlichen, auf jeden Fall aber zur tierfreien Ernährung, die wir keineswegs missionarisch leben und betreiben wollen. Unsere Gründe für die Entscheidung reichen von Tierschutz, Ablehnung von Massentierhaltung über gesundheitliche Aspekte bis hin zum Klimaschutz. Für uns stand der Tierschutz im Vordergrund. Zu Hause gibt es also eine rein pflanzliche Küche, außerhalb aber auch ovo-lacto-vegetarische Kost. Die Umstellung war für uns eine große Bereicherung und Abwechslung.

Ein kulinarischer Streifzug auf Basis pflanzlicher Ernährung entlang der Weinstraße.

Eine unserer ersten Adressen ist das Restaurant Leopold in Deidesheim. Hier kochen die Küchenchefs Michael Pauli und Christian Meier auf hohem Niveau auch vegane Gerichte. Saisonale regionale Produkte sind Trumpf. Im besonderen Ambiente des umgestalteten ehemaligen Pferdestalls mit den herausragenden Von-Winning-Weinen lässt es sich hervorragend genießen.

Sehr gern kehren wir auch in Wachenheim in der Gerümpelstube ein, benannt nach der bekannten Weinlage des Ortes. Zu unseren Favoriten aus Markus Springers Küche gehören beispielsweise die gebackenen Gemüsescheiben mit Bratkartoffeln. Bei Voranmeldung kreiert der Küchenchef auch gern mal ein vollständig veganes Menü. Die Gerichte orientieren sich dabei nachhaltig an Saison und Region. Hervorzuheben ist auch der hervorragende Service.

Auch im Neustädter Stadtteil Mußbach gibt es ambitionierte Gastronomie, die sich auf vegane Wünsche einlässt: Weiks Restaurant und Vinothek zum Beispiel. Hier ist richtig, wer’s exotisch mag. Das Küchenteam, zum Teil aus Sri Lanka, verwöhnt mit duftenden Curry-Gerichten. Eine internationale Weinkarte mit teilweise enormer Jahrgangstiefe und stets sehr moderat kalkuliert, ergänzt mit dem passenden Tropfen.

Garantiert biologisch und pflanzlich können Gäste im Wirtshaus Konfetti in Neustadt genießen. Das umfangreiche Speisen- und Getränkeangebot stammt vorwiegend aus der Region und aus kontrolliert ökologisch arbeitenden Betrieben. Kerstins Favoriten sind die leckeren Süppchen. Sehr verlockend ist auch die wöchentlich wechselnde Mittagskarte. Herzhafte pflanzliche Hausmannskost finden wir auf unseren Wandertouren auch auf den Hütten. Thomas‘ Waldweinstube in Forst wärmt den Wanderer mit einer deftigen Erbsensuppe und frischem Brot. Die Weinkarte ist beachtlich gut sortiert. Viele andere Wanderhütten bieten Eintöpfe (Linsen, Erbsen, Kartoffel) auch ohne Fleischeinlage an.

Das Naturfreundehaus Groß-Eppental in der Nähe von Bad Dürkheim verlockt uns als bekennende Freunde der Dampfnudel mit seinem Samstags-Angebot nicht selten zu einer Extra-Wandertour. Die Dampfnudeln werden wahlweise mit Vanille- oder Weinsoße (Pfälzisch: Woisoß) und hausgemachter Kartoffelsuppe serviert.

Wer vegetarisch genießen möchte, findet in der Pfalz zudem in fast allen Restaurants und Weinstuben einen mediterranen oder auch Pfälzer Flammkuchen (mit Handkäse) oder den berühmten Handkäs‘ mit Musik.

Ob Familienfeier, Tanz in den Mai oder Silvester: Auch Feste lassen sich entlang der Deutschen Weinstraße auf Wunsch rein pflanzlich feiern. In der Weinstube Müller in Frankweiler beispielsweise haben wir die Konfirmation unserer Tochter gefeiert, beim Tanz in den Mai das mehrgängige Menü im Restaurant Gebrüder Meurer in Großkarlbach genossen, den Jahresabschluss mit „stillem“ Silvester im Hofgut Ruppertsberg begangen. Ein Hochgenuss aus der Bio-Küche von Jean-Philippe Aiguier zusammen mit den Weinen von Bürklin-Wolf.

Ein kleiner Exkurs zum Thema Wein:
Wer sich gänzlich tierfrei ernähren möchte, sollte auch bei Erzeugnissen aus bio-dynamischer Herkunft nachfragen. Dort wird zur Düngung auch „Hornkiesel“ benutzt, für den zu Mehl gemahlener Quarz oder Kiesel in ein Kuhhorn gefüllt und vergraben wird. Das Mehl kann auch mit Wasser vermischt und dann als Spritzmittel für die Pflanzen verwendet werden.

Aber auch ein Wein, der nicht ausdrücklich als „vegan“ deklariert ist, kann ohne tierische Produkte hergestellt sein. Fragen Sie deshalb am besten direkt den Erzeuger.

Alle, die sich weitgehend oder rein pflanzlich ernähren oder sich dafür interessieren, laden wir dazu ein, ihre eigenen Erfahrungen und Entdeckungen entlang der Weinstraße zu machen. Sie werden überrascht sein, was alles möglich ist, wenn beide, Gast und Gastgeber, dazu bereit sind, auf die jeweiligen Gegebenheiten, Bedürfnisse und Wünsche einzugehen.

Foto: Vicuschka / Photocase

Links

Leopold Restaurand, Deidesheim › von-winning.de/leopold-restaurant
Gerümpelstube, Wachenheim › geruempelstube.de
Weiks Restaurant, Neustadt-Mußbach › weiks-restaurant.de
Konfetti Bio-Wirtshaus, Neustadt › bioland-wirtshaus-konfetti.de
Naturfreundehaus, Groß-Eppental › naturfreunde.de/haus/naturfreundehaus-gross-eppental
Weinstube Müller, Frankweiler › weingut-mueller-pfalz.de
Gebrüder Meurer, Großkarlbach › restaurant-meurer.de
Hofgut, Ruppertsberg › dashofgut.com

Weitere Beiträge