Bio? Bio-Wein? Bio-Dynamik? Einer der großen Vordenker im biologisch-dynamischen Anbau ist Frank John. Der Wahl-Pfälzer erzeugt nicht nur an der Mittelhaardt seinen eigenen Wein (Hirschhorner Hof in Königsbach), sondern jettet als gefragter Berater für Ökologie und Oenologie sowie Bio-Anbau und Bio-Dynamik unermüdlich durch Europa.

Von ihm wollten wir es genauer wissen:

Als „Bio“ bezeichnet man bei Wein allgemein hin nur die Anbaumethode für die Trauben, nicht aber die Weinerzeugung selbst. Gibt es dann überhaupt „Bio-Weine“?

FJ: Bio-Weine gibt es genau genommen zur Zeit noch nicht, da es für Trauben aus biologischer Erzeugung noch keine bindenden Verarbeitungsrichtlinien gibt. Das wird sich aber sicherlich in Kürze ändern. Verbände wie Demeter und Biodyvin stellen solche Richtlinien demnächst vor.

Wo liegt der wesentliche Unterschied zwischen Bio und Bio-Dynamik?

FJ: Im biologischen und im biodynamischen Weinbau werden grundsätzlich die gleichen Pflanzenschutzmittel benutzt (Backpulver, Tonmineralien, Schwefel, Kupfer, Gesteinsmehle, Kalke) mit Ausnahme der phosphorigen Säure, die im biologisch-dynamischen Anbau nur zu Versuchszwecken gestattet ist.

Der zentrale Unterschied liegt aber in der zusätzlichen Unterstützung der Rebe und des Bodens durch so genannte Präparate, die der biodynamische Betrieb gezielt einsetzt, um die Stärkungs- und Selbstheilungskräfte in der Natur zu fördern. Diese Präparate nehmen kosmische Kräfte auf, ähnlich einer Antenne, verstärken diese und geben sie dann an den Boden und die Pflanze wieder ab. Als Antenne dienen ausgewählte Mineralien, Pflanzen und tierische Produkte.

Die Kräfte, die diese aus dem Kosmos, dem Weltall von anderen Planeten und Sternen aufnehmen, dann bündeln und verstärken sind vielfältig. Am einfachsten sind die Sonnenkräfte in Form von Licht und Wärme vorstellbar.

Auch Mondkräfte auf Wasserbewegungen im Boden, der Pflanze und auch im Wein sind solche. Die sichtbarste Wasserbewegung für uns alle ist Ebbe und Flut. Auch die Bewegung der Kompassnadel, geführt durch den magnetischen Nordpol, sind Kräfte, deren Auswirkungen wir in unserem Alltag nutzen.

Da wir noch nicht von Bio-Weinen sprechen können, sind denn dann Trauben aus bio-dynamischem Anbau besser als herkömmliche Trauben?

FJ: Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die deutlich feinstoffliche Unterschiede zugunsten biodynamischer Produktionsweisen aufweisen. Die dafür erforderlichen Messmethoden sind sehr umfangreich und werden aufgrund des hohen Aufwands nur ungern angewendet. Photonenstrahlung sei hier ein Stichwort von vielen. Maßgebliche Kraft für die Forschung ist die naturwissenschaftliche Sektion des Goetheanums in Dornach in der Schweiz

Schenken Sie uns eine kleine Zukunftsvision.

FJ: Meine Zukunftsformel könnte lauten: Ein Schritt rückwärts in die Zukunft. Der zentrale Punkt der biologisch dynamischen Landwirtschaft ist neben den oben genannten Punkten das geschlossene Betriebskreislaufdenken: Dünger und Kompost wird im eigenen Betrieb hergestellt. Hierzu grasen Schafe und auch Ziegen zu bestimmten Zeiten die Weinberge ab, fressen die Gräser und Kräuter kurz, bestimmen die Konkurrenzkraft dieser Pflanzen und bringen gleichzeitig durch ihre Ausscheidungen neue Vitalkräfte in den Betrieb. Pferde werden mit dem Wiesenheu gefüttert, das von Brachflächen stammt, die zur Revitalisierung vor Neuauspflanzung angelegt werden. Für die leichte Bodenbearbeitung können diese dann als Zugtiere verwendet werden, ohne mit schweren Traktoren die Böden zu verdichten. Das sind Bausteine einer völlig neuen Dimension.

Wein am Limit

Der 8. „WaL“ Stream mit Frank John vom Hirschhorner Weinkontor

Wein am Limit mit Frank John

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: KGP | Hirschhorner Hof

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Demeter › demeter.de
Biodyvin › biodyvin.com

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Frank John: Ein Schritt rückwärts in die Zukunft
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Frank John: Ein Schritt rückwärts in die Zukunft
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Frank John ist einer der großen Vordenker im biologisch-dynamischen Weinbau. Im Interview steht er uns rede und Antwort.
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