Markus Badura

Kunstwerke in der Tasse – das beschreibt wohl kurz und knapp, was Markus Badura macht. Er ist der deutsche Meister 2015 der Latte Art. Mit geschäumter Milch gießt er frei Hand Gräser, Blumen und Tiermotive von solcher Komplexität auf seine Cappuccini, dass man es kaum glaubt, wenn man ihm nicht dabei zusieht. Doch das kann man beinahe täglich tun. Im Weincafé Kostbar, das er mit Nikola Göhring seit gut drei Jahren in Deidesheim betreibt, steht er an seiner italienischen Kaffeemaschine und zaubert seine Schaumbilder auf allerlei Kaffeespezialitäten.

Youtube als Lehrer

Als damals vor der Eröffnung seine Kaffeemaschine, der Traum eines jeden Hobby-Barista, eingestellt wurde, hat der Servicemann mit dem ersten vernünftigen Milchschaum eben mal schnell ein Herz auf den Cappuccino gegossen. „Das war ein echtes Aha-Erlebnis“, erinnert sich Badura. Das war seine erste hautnahe Begegnung mit der Latte Art. Er war so begeistert von der mühelosen Eleganz, dass er gleich nach Tutorials suchte – und auf Youtube fand.

Dank Facebook bekannt

Mit täglichem Training – hinter der Theke der Kostbar konnte er Arbeit und Übung wunderbar verbinden – entwickelten sich seine Fähigkeiten. Herzen und Blätter flossen nach einem halben Jahr nach Belieben in die Tassen. Über Facebook nahm er parallel dazu Kontakt zu anderen Michschaumkünstlern auf und besuchte Messen. Dort hatte er mit den Bildern, die er gepostet hatte, schon einen gewissen Ruf. Bei der Stuttgarter Intergastra, einer der bedeutendsten Gastronomiemessen im deutschsprachigen Raum, wollte er bei Ausstellern, die er über Facebook kannte, einen Cappuccino trinken. Die schickten ihn an die Maschine und sagten: „Mach das mal selbst, du gießt besser als wir!“ Sie ermutigten ihn auch, sich zur deutschen Meisterschaft anzumelden.

Training mit Wörterbuch

Im heimischen Café ein schönes Motiv auf eine Tasse Cappuccino zu gießen, ist das eine. Damit bei einer Meisterschaft zu bestehen, etwas ganz anderes. Denn dort wird nach strengen Regeln gewertet, Sauberkeit am Arbeitsplatz, Freundlichkeit gegenüber der Jury gehen in die Bewertung ein. Und: Die Wettbewerbssprache ist Englisch, denn Sitz des internationalen Dachverbands, der Specialty Coffee Association of Europe SCAE ist Chelmsford in England. Also hieß es Wörterbuch raus und Fachbegriffe.

Die Vorbereitung war in jeder Hinsicht intensiv. Gut 40 kg exquisiter Kaffeebohnen hat Badura vermahlen – industriell gerösteter Kaffee neigt zur Bläschenbildung, die das Milchbild zerstören kann – unzählige Liter Milch geschäumt, über 30 getestete Kännchen bilden auf den Regalen der Kostbar eine beachtliche Sammlung, zusammen mit den original Wettbewerbstassen. Doch der zeitliche und finanzielle Einsatz zahlte sich aus: bei den deutschen Meisterschaften Ende 2014 in Berlin gewann er tatsächlich den Titel.

Für Deutschland bei der Weltmeisterschaft

Damit vertrat er 2015 Deutschland bei der Weltmeisterschaft der Latte Art in Göteborg. Doch hier hatte er die Disziplin des Art Bar Motivs unterschätzt. Bei dieser Disziplin dürfen die Teilnehmer mit Werkzeugen Linien im Schaum ziehen und Lebensmittelfarbe einsetzen. Mit seinen frei gegossenen Motiven wurde er in den sozialen Netzwerken als Podiumskandidat gehandelt, beim Art Bar Motiv zogen dann aber sechs Konkurrenten an ihm vorbei in die Finalrunde.

Der perfekte Espresso

Bei all der Begeisterung für die Kunstwerke auf dem Kaffee hat er der Grundlage darunter noch nicht die Aufmerksamkeit schenken können, die ihr seiner Meinung nach zusteht: dem Espresso. Das holt er nun nach. In Innsbruck nimmt er an einem Barista-Lehrgang teil. Damit rückt seine vergänglichen Kunstwerke wieder ein Stückchen näher Richtung Perfektion, denn die Grundlage eines gestochen scharfen Milchschaumbilds ist ein erstklassiger Espresso. Jedenfalls muss sich niemand mehr auf den Weg nach Italien machen, um einen erstklassigen Cappuccino zu genießen – Deidesheim bietet ihn auch.

Text: Achim Wagner
Foto: diepfalz.de

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Markus Badura – Deutscher Latte Art Meister 2015
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Fett, oder halb fett?! Ist ja mal voll nicht Latte. Der Latte Art Meister Markus Badura zeigt, worauf es ankommt.