Es gibt sie tatsächlich, die Pfälzer, die beim Wort „Wurstmarkt” keine glänzenden Augen bekommen. Das muss man den Dürkheimern ja mal sagen, wenn sie voller Euphorie ihrer fünften Jahreszeit entgegen fiebern. Richtig ist aber auch, dass die Zahl der Pfälzer, die auf die Erwähnung des magischen Wortes „Wurstmarkt” gar nicht reagieren, ziemlich klein ist. Für die Mehrzahl ist und bleibt er das größte Weinfest der Welt.

Dem Ehrfurcht gebietenden Untertitel „Größtes Weinfest der Welt” hat bislang auch noch niemand ernsthaft widersprochen. Am zweiten Freitag im September fängt der Wurstmarkt (liebevoll „Wuma“ genannt) an und elf Tage später hört er wieder auf, nur Mittwoch und Donnerstag ist Pause. „Vormarkt” sagen die Einheimischen zur ersten Hälfte und „Nachmarkt” zum zweiten verlängerten Wochenende. Die Zahl der Geschichten, Anekdoten, Übertreibungen, Kuriositäten und Unsagbarkeiten, die zu diesem Fest gehören, ist legendär – kein Wunder bei einem Fest, das 2016 zum 600. Mal gefeiert wird. Wie berauscht erzählen notorische Wurstmarktgänger am ersten Tag noch von den Erlebnissen des vergangenen Jahres. Doch schon am zweiten Tag ist das vergessen, weil sie am ersten Tag so viel erlebt haben, dass sie stundenlang darüber plaudern können. Zu kompliziert? Einfach mal ausprobieren!

FAHRGESCHÄFT – Dürkheimer Wurstmarkt ©diepfalz.de

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„Uff´ m Worschtmarkt trifft mer Leit, die sieht mer´s ganze Johr net.”

Das ist auch so eine Binsenweisheit. Natürlich sind diese „Leit” die 356 elenden Rest-Tage des Jahres nicht unsichtbar. Sie gehen nur anderen Tätigkeiten nach als Schoppen stemmen, Schunkeln oder das tun, was (sehr) salopp, aber nicht ohne Respekt mitunter als „Kotzbähnlfahre” bezeichnet wird. Die Kombination so vieler belebender Elemente macht den unglaublichen Erfolg des Wurstmarktes aus. Darum kommen die Leute aus nah und fern in hellen Scharen (mindestens eine halbe Million pro Jahr) auf den Platz zwischen Gradierbau und Riesenfass. „Brühlwiesen” heißt das Gelände korrekt. Aber darüber ist längst Gras gewachsen – jetzt sowieso, wo die Stadt den Bereich vor dem Riesenfass so edel herausgeputzt hat.

Manchmal ist auf diesem Platz alles so voll, dass man keine „Leit” mehr sieht vor lauter Menschen. Daher geht der wirkliche Routinier schon mittags und vorzugsweise an so genannten Werktagen auf den Wurstmarkt. „Es is schun bal’ nooch Elfe, do kammer langsam mol de erschde Schobbe probiere”. Und um diese Zeit hat man auch noch einigermaßen den Überblick. Wem wann die letzte Stunde schlägt, ist unklar. Manche prahlen damit, durchgemacht zu haben, weil der erste Schubkarchstand schon wieder offen war, als der letzte gerade zugemacht hatte. Das gehört zu den Behauptungen, die eingefleischte Wurstmarktgänger nur bedingt in Zweifel ziehen. Unmöglich ist nichts während dieser magischen Tage und Nächte, wo Gäste aus nah und fern, aus aller Herren Länder und aller Generationen herzlich willkommen sind.

Text: Holger Mühlberger
Fotos: diepfalz.de

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Der Dürkheimer Wurstmarkt – Die volle Wahrheit
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Der Dürkheimer Wurstmarkt: Dem Ehrfurcht gebietenden Untertitel Größtes Weinfest der Welt hat bislang auch noch niemand ernsthaft widersprochen.
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