Die Pfalz ist auch ein Sekt-Paradies. Keine andere Weinbauregion bietet eine derart große Vielfalt. Über tausend Winzersekt-Kreationen werden jedes Jahr geschaffen. Hier ein Überblick über die prickelnde Pfalz.

Sekt ist uns wichtig. Bei keinem feierlichen Anlass darf das funkelnd prickelnde Getränk fehlen. So sind wir Deutschen Weltmeister im Sekttrinken. Rund 400 Millionen Flaschen werden jährlich zwischen Nord- und Bodensee geköpft. Das macht rund fünf Flaschen pro Kopf und Jahr aus. Die meisten Korken knallen aus den bekannten Markensekten deutscher Herstellung, die aus anonymen, meist billigen ausländischen Grundweinen erzeugt werden. Wir kennen diese Massen-Marken aus den Supermärkten, die zu Kampfpreisen über die Kasse gehen.

Demgegenüber gibt es sogenannte Qualitätsschaumweine oder Qualitätssekte bestimmter Anbaugebiete, die individueller sind, zudem mit Herkunftsangabe, und wie stille Qualitätsweine eine amtliche Prüfnummer tragen müssen. Sie sind bekannter unter der Bezeichnung Winzersekt, machen aber gerade mal zwei Prozent der in Deutschland erzeugten Gesamtmenge aus.

Für diese Winzersekte gelten strenge Regeln, um eine gewisse Mindestqualität zu garantieren. So dürfen die Grundweine nur aus Trauben der eigenen Weinberge stammen und müssen per traditioneller Flaschengärung versektet werden. Diese zweite Gärung läuft also in der Flasche ab, dabei muss der Winzersekt mindestens neun Monate auf der Hefe reifen. Viele Erzeuger verlängern aus Qualitätsgründen diesen Zeitraum, bei speziellen Cuvées auch schon mal um mehrere Jahre. Nur auf der Hefe kann der Schaumwein sich weiter entwickeln und eine reizvolle Reifearomatik erlangen.

Das diffizile Verfahren der Flaschengärung muss der Winzer nicht selbst beherrschen. Er kann seinen Wein einem Dienstleister, einem sogenannten Lohnversekter anvertrauen, der diese anspruchsvolle Aufgabe für ihn übernimmt. Nun könnte man meinen, das sei nicht authentisch, ist aber letztendlich eher ein Vorteil für das Endprodukt, weil der Lohnversekter als Spezialist in der Regel das größere Know-how mitbringt.

„Die meisten dieser Winzersekte kommen aus der Pfalz, zumindest ist die Pfalz das deutsche Anbaugebiet, das die größte Vielfalt bietet.“

Über 1.000 verschiedene Winzersekte durchlaufen hier alljährlich die Qualitätssekt-Prüfung, um per amtlicher Prüfnummer vermarktet werden zu dürfen. Dabei stehen hinter jedem Etikett keine Riesenmengen, schließlich kommen sie meist von kleinen Weinbaubetrieben in Familiengröße. Bei genau 1.123 verschiedenen Winzersekten und insgesamt nur rund 2,25 Millionen Flaschen stehen im Durchschnitt hinter jedem Etikett gerade mal rund 2.000 Flaschen (zum Vergleich: Henkell trocken verkaufte vor über 100 Jahren schon drei Millionen Flaschen). Somit ist der Winzersekt für die meisten Weingüter nur ein Zusatzprodukt, um ihren Kunden das komplette Programm bieten zu können.

Dabei gibt es natürlich ein paar Ausnahmen. Das Weingut Reichsrat von Buhl (Deidesheim) etwa ist schon seit Jahrzehnten auch ein Sekt-Spezialist und vermarktete bis zu 200.000 Flaschen jährlich. Mit dem Engagement des ehemaligen Bollinger-Kellermeisters Mathieu Kauffmann wird hier ab dem Jahrgang 2013 noch einiges zu erwarten sein. In Siebeldingen entwickelte die Familie Roth auf dem Wilhelmshof, den sie „Wein- und Sektgut“ nennen, seit den frühen achtziger Jahren ein ausgeklügeltes Sekt-Sortiment, das heute zu den besten in Deutschland gehört. Die Achtziger waren überhaupt die Zeit, in der die pfälzischen Winzersekte aus traditioneller Flaschengärung ihren Anfang nahmen. Mitte der achtziger Jahre tauchten Namen auf wie Bergdolt in Duttweiler, der nicht nur den Weißburgunder renommierfähig machte, sondern sich auch für die traditionelle Flaschengärung engagierte. Michael Andres und Steffen Mugler begannen 1989 mit schüchternen Tausend Litern eines Riesling-Spätlese-Sektes ihre heute unter Kennern geschätzte kleine Sektkellerei (in Ruppertsberg), die nach dem Einstieg per Riesling längst vier Rebsorten-Sekte und drei Cuvées bietet.

Sekt einschenken ©diepfalz.de
Sekt einschenken ©diepfalz.de


Die Pfalz ist das deutsche Anbaugebiet mit der größten Sekt-Vielfalt.

Der Riesling ist in der Pfalz, wie es sich für das weltgrößte Riesling-Anbaugebiet gehört, selbstverständlich auch bei der Versektung die Rebsorte Nummer eins, doch werden vor allem die Burgundersorten immer beliebter. Weiß-, Grau- und Spätburgunder legen schließlich auch allgemein im Anbau zu, selbst Auxerrois gewinnt wieder das Vertrauen der Winzer, wenn auch nur als Mini-Nische. Kommt noch Schwarzriesling (oder Müller-Rebe) dazu, dann lässt sich problemlos eine klassische Champagner-Cuvée komponieren: Chardonnay mit weiß gekeltertem Spätburgunder und Pinot Meunier, wie der Schwarzriesling in der Champagne heißt.  Einer ihrer Vorteile ist, dass sie während des Hefelagers sehr attraktive Reifearomen entwickeln können (getoastetes Weißbrot, Brioche…), während Riesling doch eher von seiner primären, fruchtbetonten Sortenaromatik lebt, zumindest in der aktuellen, modernen Machart, und unerwünschte Petrol-Noten entwickeln kann. Das gibt es bei Burgundersorten nicht. Gerade aufgrund der Burgundersorten dürften die pfälzischen wie die deutschen Sekte überhaupt qualitativ zugelegt haben. Zumindest werden bei Verkostungen die Pinots meist höher bewertet als die Rieslinge.

Nun mag das nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt sein, doch der Trend zu den Burgundersorten ist unverkennbar. Sie gibt es zu etwa der Hälfte entweder reinsortig oder als Cuvée in den verschiedensten Ausführungen. Fast immer mit dabei ist der weiß gepresste Spätburgunder, sehr unterschiedlich ergänzt durch sämtliche Burgundersorten bis hin zum Schwarzriesling, am häufigsten allerdings mit Weißburgunder. Der wiederum dominiert ganz klar bei den reinsortigen Burgundern. Schließlich brachte er es auch im Elsass im Crémant noch zu einer respektablen Karriere. Recht beliebt auch Spätburgunder als Blanc de Noirs und natürlich Chardonnay, den wir hier einfach mal zu den „Burgundern“ hinzugerechnet haben.

Die Qualitätsbemühungen schlagen sich natürlich auf die Preise nieder. Unter 10,– Euro ist heute ein guter Flaschengärsekt zwar noch zu bekommen, die meisten herausragenden Erzeugnisse bewegen sich aber in der Preisklasse zwischen 10,– und 15,– Euro. Das ist im internationalen Vergleich immer noch wenig, zumal die besten Winzersekte der Pfalz qualitativ da mehr als mithalten können.
Na dann: Zum Wohl.

Zusammengenommen haben die Burgundersorten den Riesling überflügelt.

Einer ihrer Vorteile ist, dass sie während des Hefelagers sehr attraktive Reifearomen entwickeln können (getoastetes Weißbrot, Brioche…), während Riesling doch eher von seiner primären, fruchtbetonten Sortenaromatik lebt, zumindest in der aktuellen, modernen Machart, und unerwünschte Petrol-Noten entwickeln kann. Das gibt es bei Burgundersorten nicht. Gerade aufgrund der Burgundersorten dürften die pfälzischen wie die deutschen Sekte überhaupt qualitativ zugelegt haben. Zumindest werden bei Verkostungen die Pinots meist höher bewertet als die Rieslinge.


Die Hefe sorgt für die zweite Gärung in der Flasche, bei der Alkohol und die Perlen entstehen.

GÄRUNG – Hefe sorgt für die Entstehung der Perlen © Armin Faber

Nun mag das nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt sein, doch der Trend zu den Burgundersorten ist unverkennbar. Sie gibt es zu etwa der Hälfte entweder reinsortig oder als Cuvée in den verschiedensten Ausführungen. Fast immer mit dabei ist der weiß gepresste Spätburgunder, sehr unterschiedlich ergänzt durch sämtliche Burgundersorten bis hin zum Schwarzriesling, am häufigsten allerdings mit Weißburgunder. Der wiederum dominiert ganz klar bei den reinsortigen Burgundern. Schließlich brachte er es auch im Elsass im Crémant noch zu einer respektablen Karriere. Recht beliebt auch Spätburgunder als Blanc de Noirs und natürlich Chardonnay, den wir hier einfach mal zu den „Burgundern“ hinzugerechnet haben.

Die Qualitätsbemühungen schlagen sich natürlich auf die Preise nieder. Unter 10,– Euro ist heute ein guter Flaschengärsekt zwar noch zu bekommen, die meisten herausragenden Erzeugnisse bewegen sich aber in der Preisklasse zwischen 10,– und 15,– Euro. Das ist im internationalen Vergleich immer noch wenig, zumal die besten Winzersekte der Pfalz qualitativ da mehr als mithalten können. Na dann: Zum Wohl.

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: diepfalz.de, Armin Faber

Das Kohlendioxyd, das im Glas so schön perlt, entsteht durch eine zweite Gärung des Weines. Dazu wird dem (meist schlanken, säurefrischen) Grundwein, den man auch so schon trinken könnte, in Wein gelöster Zucker und Reinzuchthefe zugegeben, um diese zweite Gärung auszulösen. Sie findet in einem druckfesten Behälter statt, entweder in einer Flasche (Flaschengärung) oder in einem Tank (Tankgärung). Unter Einwirkung der Hefe wird, wie bei der für Stillwein üblichen alkoholischen Gärung, der Zucker in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Nur kann in diesem Fall die Kohlensäure nicht entweichen, bleibt also im Wein. Wird ein Druck von sechs Bar erreicht, hört die Hefe auf, die Gärung weiter zu vermitteln. In der Regel ist dann der Zucker ohnehin verbraucht. Der Sekt ruht jetzt noch einige Monate auf der Hefe, um sein Aroma zu entfalten. Je nach Qualitätskonzept kann diese Hefereife auch mehrere Jahre dauern.

Während der Hefereife ist der Sekt trüb. Die Hefe muss also vor dem Genuss entfernt werden. Bei der Tankgärung geschieht dieser delikate Vorgang durch eine ausgeklügelte Filtrierung, bei der Flaschengärung durch das Abrütteln. Hierbei kommen die Flaschen mehr oder weniger waagerecht auf das berühmte Rüttelpult und werden im Laufe von ein paar Wochen immer wieder kurz gerüttelt, der Neigungswinkel dabei nach und nach kopfüber in die Senkrechte verändert. Auf diese Weise sammelt sich die Hefe im Flaschenhals. Jetzt kann degorgiert werden: die Flasche kommt kopfüber in ein Kältebad, das den Hefepfropfen im Flaschenhals einfriert. Die Flasche wird dann geöffnet, der Hefepfropfen schießt durch den Druck in der Flasche heraus. Jetzt ist der Sekt klar. Die dadurch fehlende Menge wird mittels einer sogenannten Versanddosage (in Wein gelöster Zucker) ersetzt, die zugleich die gewünschte Geschmacksrichtung (brut, trocken, süß…) bestimmt.

Ein als „trocken“ bezeichneter Sekt kann demnach bis 32 g Zucker aufweisen, was bei einem Stillwein schon nicht mal mehr „halbtrocken“ ist (bis 18 g), sondern „lieblich“ oder gar „halbsüß“. Durch die Kohlensäure erscheint uns der Zucker nicht so intensiv. Achten Sie einmal darauf, wie wenig trocken ein als „trocken“ bezeichneter Markensekt wirklich schmeckt.

Bei Flaschengärsekten ist „brut“ die mit Abstand beliebteste Bezeichnung. Bis knapp 12 g Zucker pro Liter lässt sich ein Schaumwein schon ziemlich mild abrunden, was wir gar nicht als so süß empfinden. Bedenken Sie dabei, dass man Zucker in Wasser gelöst ab etwa 6 – 7 g pro Liter schmecken kann, was natürlich individuell sehr unterschiedlich erfahren wird.

Entscheidend für den Süßegrad eines Sektes ist die Versanddosage, die bei der Tankgärung vor der Abfüllung des filtrierten Sektes, bei der Flaschengärung nach dem Degorgieren zugegeben wird. Meist ist es ein Gemisch aus Wein oder Schaumwein mit Zuckersirup, das den nach der zweiten Gärung sehr trockenen Sekt geschmacklich abrunden soll. Daraus ergeben sich die bekannten Bezeichnungen der Geschmacksrichtungen (nach EU-Regeln), wobei von den Erzeugern gerne die elegant klingenden französischen Versionen gewählt werden:

Bezeichnung Zucker/Liter
Brut nature oder naturherb unter 3 g
Extra brut oder extra herb 0 – 6 g
Brut oder herb unter 12 g
Extra dry oder extra trocken 12 – 17 g
Dry, sec oder trocken 17 – 32 g
Demi sec oder halbtrocken 32 – 50 g
Doux, süß oder mild über 50 g

Links

Sektkellerei Andres & Mugler › andresundmugler.de
Reichsrat von Buhl › von-buhl.de
Wilhelmshof › wilhelmshof.de
Weingut Bergdolt › weingut-bergdolt.de

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Land der tausend Sekte
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Die Pfalz ist ein Sekt-Paradies. Keine andere Weinbauregion bietet eine derart große Vielfalt. Hier ein Überblick über die prickelnde Pfalz.