Wie managt man eine Weinprobe mit 6.000 Weinen und 300 Verkostern? Jeweils aus über 40 Ländern, versteht sich. Seit 2001 bewältigt der Neustadter Meininger Verlag dies alljährlich in einer logistischen Meisterleistung.

MUNDUSvini ist kein internationaler Frühschoppen, sondern eine sachlichfachliche Weinbewertung nach ausgefeilten internationalen oenologischen Standards. Dabei werden Medaillen vergeben, die in Form eines Aufklebers auf der Flasche angebracht werden dürfen. Solche Medaillen hat jeder schon mal gesehen. Sie dienen dem Weinkunden als Orientierung. Eine derartige amtlich anerkannte, internationale Weinprämierung ist ein hoch sensibles Ereignis.

Ihr Erfolg hängt von der Summe tausender Details ab. Bis eine der begehrten MUNDUS-vini-Medaillen vergeben wird, kommen enorm viel graue Zellen, Muskelkraft und Material zum Einsatz. Dabei muss jedes Glied der Organisationskette stimmen, schwächelt eines, leidet der Rest. Allein das Management von rund 300 Verkostern aus über 40 Ländern verlangt geradezu diplomatisches Geschick: Kann ich den Libanesen zum Israeli setzen? Wie passt ein Tunesier oder Australier zu Mosel-Riesling? Wer isst aus religiösen Gründen keine Pfälzer Leberwurst?

Auch die logistische Herausforderung ist enorm: Die über 6.000 Weine müssen für die Verkostung logisch gegliedert sein, die Nummern müssen stimmen, die Serviertemperatur auch, die Gläser müssen perfekt sauber sein, das Raumklima (im Neustadter Saalbau) angenehm temperiert und ohne Nebengerüche. Die individuellen Verkostungsbögen (rund 30.000) müssen korrekt deklariert und nummeriert sein und, und und …

Bei all dem Aufwand ist MUNDUSvini zu einem eigenen kleinen Unternehmen herangewachsen. Jedes Jahr sind für die Vorbereitung der MUNDUSvini-Verkostungen mehr als 30 Mitarbeiter über zwei Monate beschäftigt. Für den reibungslosen Ablauf der Verkostungstage sorgen fast 50 Personen.

Hinter den Kulissen der großen, internationalen Weinprämierung MUNDUSvini

Der größte Aufwand steckt jedoch nicht in der Veranstaltung selbst, sondern in der Vorbereitung: rund 6.000 Pakete mit den Probeflaschen werden in einem Zeitraum von rund zwei Monaten angeliefert. Das sind im Schnitt 100 pro Tag. Viele stellen ihre Weine auf den letzten Drücker an. So drängen zum Einsendeschluss besonders viele Lieferwagen auf den Verlagshof und stauen sich schon mal bis zur nächsten Kreuzung. Die 6.000 Pakete müssen ausgepackt werden. Allein damit sind vier Aushilfen vier Wochen lang beschäftigt.

Nun müssen die Proben in der Datenbank erfasst werden, was für fünf Mitarbeiter eine Beschäftigung für einen ganzen Monat bedeutet. Dann wird jedem Wein eine Probennummer vergeben, die am Flaschenhals angebracht wird. Dafür werden sechs Mitarbeiter zwei Wochen lang eingespannt.

Lange vor Veranstaltungsbeginn Ende August und Anfang September werden die Verkoster aus allen relevanten Erdteilen eingeladen. Für die Organisation der Anreise der internationalen Verkoster sind zwei Mitarbeiter etwa vier Wochen beschäftigt, zudem zwei Arbeitskräfte im Reisebüro für die unterschiedlichsten Flug- und Reisebuchungen. Geschätzte über 1.000 Mails werden allein hierfür bearbeitet.

Dann werden die Jurys mit jeweils fünf bis sieben Verkostern eingeteilt. Das ist vielleicht eine der sensibelsten Aufgaben: wer passt zu wem? Wer verkostet wie? Wem geben wir welche Wein-Arten? Wer hat welchen beruflichen Hintergrund (Oenologe, Fachhändler, Gastronom, Journalist, …)? Passt das? Wer spricht welche Sprachen?

Die Fachverkoster müssen natürlich die Verkostungstechniken beherrschen, möglichst internationale Erfahrung vorweisen und eine der Geschäftssprachen parlieren können, die neben Deutsch vor allem Englisch und Französisch sind. Außer der Sprache spielt weiterhin die Sozialisation der Verkoster eine entscheidende Rolle. Ein Kalifornier verkostet anders als einer aus dem Mittelmeerraum oder ein Rheingauer. Ein Oenologe gewichtet die Bewertungskriterien anders als etwa ein Sommelier oder ein Journalist. Die geschickte Einteilung der Jurygruppen ist deshalb eine der komplexesten Aufgaben bei der MUNDUSvini-Vorbereitung und eine der entscheidenden für die Qualität der Prämierung.

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Die Verkostungen für MUNDUSvini finden an sechs Tagen statt, halbiert in zwei dreitägige Veranstaltungen an zwei aufeinander folgenden Wochenenden. Ist die Veranstaltung erst einmal angelaufen, geht es hinter den Kulissen dann Schlag auf Schlag: Die Proben werden von sieben Mitarbeitern ausgegeben. Diese haben 20 Korkenzieher im Einsatz, von denen pro Verkostungswochenende zehn kaputt gehen. Der Korkenzieher, mit dem man 1.000 Flaschen am Tag möglichst bequem und zuverlässig öffnen kann, ist wohl noch nicht erfunden.

Die Proben werden von 32 Servicekräften zu den Verkostern gebracht. Rund 1.500 Gläser sind dabei täglich im Einsatz. Allein vier Spüler sorgen ständig für die makellos glänzende und geruchlose Sauberkeit der Gläser. Von den Verkostern werden insgesamt rund 36.000 individuelle Bewertungsbögen ausgefüllt (850 Stifte gehen dabei jedes Jahr drauf ), die von sechs Aushilfen eingesammelt und von drei weiteren verarbeitet werden. Die Informationen fließen unmittelbar in die EDV ein, sodass der aktuelle Stand der Prämierungen jederzeit abgerufen werden kann. So wird mit viel Aufwand von Probenannahme bis zur Auswertung nichts dem Zufall zu überlassen.

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: diepfalz.de

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