Buntsandstein, Schiefer, Granit… Klingt spannend und ist auf vielen Weinetiketten zu lesen. Aber Löss? Wie gewöhnlich! Das soll gut für Wein sein? Dabei ist Löss einer der besten Nährböden und ein Segen für die Landwirtschaft.

Löss ist allgegenwärtig und bedeckt etwa zehn Prozent der Erdoberfläche. Er prägt vor allem in gemäßigten Klimazonen viele Weinbaugebiete, auch die Pfalz, in der er auf fast zwei Dritteln der Rebfläche eine wichtige Rolle spielt. Löss ist eine hellgelblich-graue, kalkreiche Ablagerung des Windes, die durch die Verwitterung, vor allem in den ungemütlichen quartären Kaltzeiten, aus Gesteinen in Schotterebenen, Endmoränen oder Kältewüsten entstand. Mächtige Lössdecken wurden fast überall auf die Landschaft geweht und lagerten sich im Windschatten ab. Das kann man sich ähnlich einer Schneeverwehung vorstellen.

So bildeten sich bis zu 15 Meter dicke Lössschichten, die zwischenzeitlich von einer Pflanzendecke und ihren Verwitterungen bedeckt wurden und sich immer weiter verändern. Oft liegt deshalb das feinkörnige Sediment verborgen im Untergrund, was manchmal in tief eingeschnittenen Hohlwegen sichtbar wird. Dort kann man erkennen, wie homogen, unverfestigt und porös Löss ist. Er besteht zum großen Teil aus sogenanntem Schluff, eine Art Feinboden kleiner Körnchengröße (im Durchmesser zwischen leichtem Sand und schwerem Ton angesiedelt).

Mineralisch an ihm ist vor allem der hohe Gehalt an Quarzkörnern und, in geringeren Anteilen, kalkigen Bruchstücken. Eisenhydroxide färben ihn manchmal gelblich-rot. So ist der Staub der Eiszeit einer der besten Nährböden für landwirtschaftliche Nutzung und den meisten Weinbergsböden untergemischt.

„Löss bietet die bedeutendste Unterlage für die Reben der Pfalz.“

Die pfälzischen Weinbergsböden werden neben dem jungen Löss (Pleistozän, vor ca. 300.000 – 15.000 Jahren) geprägt vom Buntsandstein (Trias, vor ca. 250 – 200 Mill. Jahren) des Haardtgebirges und des Wasgaus, wie der südliche Teil des Pfälzerwaldes und der nördliche Teil der Vogesen genannt wird. Auf zwei Drittel der Standorte sind Lehm- und Schluffböden zu finden. Sie speichern gut das Wasser, was man sich selbst als Laie bei einem Lehmboden vorstellen kann.

Etwa ein Viertel der pfälzischen Reben gedeihen auf Sandböden, die eher schlanke, im Aroma diskrete Weine hervorbringen. Kalkmergel (Tertiär) ist noch recht weit verbreitet und sorgt für aromatische Weine. Besonders Burgundersorten fühlen sich in kalkhaltigen Böden wohl. Darüber hinaus sind in den Pfälzer Weinbergen kleine Inseln von Rotliegendem (Perm), seltener Basalt und Schiefer (Devon) zu finden.

Während dem Buntsandstein schlanke, rassige Rieslinge zugeschrieben werden, wachsen auf Löss und Lehm kräftige, körperreiche Weine mit fruchtigem Bukett. Vielleicht liegt der Körperreichtum der Löss-Weine an der Tiefgründigkeit dieser Böden, die zudem gut durchwurzelbar sind. Ihre Lockerheit macht es den Reben leicht, ihre Wurzeln in die Tiefe zu treiben. Sie nehmen dann auch insgesamt viel Raum ein und können aus dem Vollen schöpfen.

Zudem sind Lössböden ein guter Wasserspeicher, schnell erwärmbar, dabei ausreichend durchlüftet. Ihre Fruchtbarkeit versorgt die Reben mit allem, was sie brauchen, wodurch fast füllige Weine entstehen mit, je nach Kalkgehalt, intensivem Aroma in allen möglichen Fruchtrichtungen. Bei Verkostungen werden oft Pfirsich (das klassische Aroma eines reifen Rieslings) und tropische Früchte zitiert, was aber auch immer mit der Wahl der Hefen zusammenhängt.

Auch wenn wohl auf keinem Weinetikett Löss vermerkt ist, so bietet er die bedeutendste Unterlage für die Reben der Pfalz, deren Weine dadurch ihre kräftige Saftigkeit erhalten, für die sie letztendlich bekannt sind.

Lösshaltiger Boden © diePfalz.de
Lösshaltiger Boden © diePfalz.de

Bodenkunde Löss, Lehm, Schluff oder was?

In der Bodenkunde wird zwischen verschiedenen Korngrößen unterschieden. Diese sind von groß nach klein: Steine, Kies, Sand, Schluff und Ton. Schluff können wir uns am wenigsten vorstellen. Steine und Kies sind uns geläufig, wir alle haben auch schon mal in einem Sandkasten gespielt und kennen Ton vielleicht aus einer Töpferei. Ein Sandboden enthält mehr als 85 % Sand, ein Tonboden mehr als 65 % Ton. Löss und Sandlössböden sind Mischungen aus den Korngrößen Sand und Schluff, aber immer vorwiegend Schluff (70 bis 80 %)

Als Lehm bezeichnen wir eine Mischung aus etwa gleichen Teilen der Korngrößen Sand, Schluff und Ton. Bodenarten, die nur aus einer Korngröße bestehen, haben ungünstige Anbaueigenschaften. Korngrößen-Gemische sind günstiger, weil sich hier Vor- und Nachteile der jeweiligen Korngrößen ausgleichen, bzw. ergänzen.

Haßlocher Leisböhl – Jüngste Weinlage Deutschlands

Haßloch hat sich bislang nicht wirklich durch seinen Weinbau bekannt gemacht. Dabei ist er hier, mitten im Löss-Lehm der Ebene, so alt wie in der übrigen Pfalz. Allerdings war Wein lange nur ein Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Mischbetriebe für den Eigenbedarf. Das hat sich inzwischen geändert. Haßloch verfügt zwar immer noch nicht über ein selbst vermarktendes Weingut, aber über 23 Hektar Rebfläche, die heute von Genossenschaftswinzern (für Weinland Meckenheim und Königsbach) und drei Meckenheimer Weingütern bewirtschaftet werden.

Die Professionalisierung der Bewirtschaftung musste auch die Rebflächen in geregelte Bahnen lenken: Seit 2008 dürfen die Weine aus Haßloch offiziell die Lagenbezeichnung Leisböhl tragen. Das war in Rheinland-Pfalz die erste Anerkennung einer neuen Lage seit zwanzig Jahren, was sich „das größte weinbautreibende Dorf Deutschlands“, wie der frühere Bürgermeister Hans-Ulrich Ihlenfeld die 20.000-Einwohner-Gemeinde schmunzelnd nannte, sicherlich verdient hat. Die Rebfläche des Leisböhl ist ebenfalls groß genug für ein gleichnamiges Weinfest: die Leisböhler Weintage im Mai.

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: Armin Faber

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