Das Pfälzer Terroir ist ein buntes Mosaik locker herein gestreuter Gesteinsarten. Sandstein aus der Zeit des Buntsandstein spielt dabei eine wichtige Rolle. Von diesen viele Millionen Jahre alten Steinverwitterungen kommen spritzig-fruchtige Weine.

Wenigstens ein bisschen Verständnis der heimischen Erdgeschichte gehört schon dazu, um das Potpourri der heutigen Weinbergsböden der Pfalz zu verstehen. Und diese Vielfalt ist groß und es gibt keinen Weinberg, der nur aus einer Gesteinsart besteht, vielmehr ist es immer ein mehr oder weniger stark gewichtetes Gemisch aus Meeres-, Fluss-, Wind-, Wüsten- oder Hangablagerungen.

So sind Löss, Lehm, Kalkstein, Mergel, Tonschiefer oder eben Buntsandsteinverwitterungen und andere Gesteins- und Bodenarten wie zufällig über die gesamten Rebflächen von Schweigen im Süden bis Bockenheim im Norden eingestreut. Den Großteil stellen Löss- und Lösslehmböden, sozusagen der Staub der Eiszeit, die weiter in die Ebene reichen, ähnlich wie die Kiese, Sande und Tone des Ur-Rheins. Auch das erscheint logisch. Rote Ton- und Sandsteine, Mergel (eine Art Plankton-Schlamm) oder seltenere Tonschiefer hingegen schlängeln sich entlang des Haardtrandes, wo die meisten Top-Weinlagen anzutreffen sind.

Bei fast all diesen Lagen taucht Buntsandstein als Bestandteil der Bodenzusammensetzung auf. Damit ist kein bestimmter Gesteinstyp gemeint, etwa bunte Sandsteine (schließlich kennen wir schon rote und gelbe), sondern eine Gesteinseinheit bzw. eine mehrere hundert Meter mächtige Gesteinsabfolge aus (natürlich) Sandsteinen, aber auch Schluff- und Tonsteinen, bisweilen auch Kalksteinen und Gips.

Wenn bei der Beschaffenheit der Weinbergsböden explizit von Sandstein die Rede ist, dann von rotem. Seine Farbe erhält er durch Eisenoxide. Auf rund 550 Hektar (von rund 23.500) soll er anzutreffen sein. Bekanntestes Beispiel dürfte der Sankt Martiner Kirchberg sein. Dies ist eine einzigartige Lage, besteht sie doch aus Sandsteinterrassen an einem 300 bis 350 Meter hohen Südhang, direkt unterhalb des Pfälzerwaldes. Dies erinnert an die früheren Terrassenlagen, die es vielfach an den Hängen des Pfälzerwaldes gab, bevor sie wegen der beschwerlichen und kostenintensiven Bewirtschaftung aufgegeben und dem Pfälzerwald wieder überlassen wurden.

Die mehr oder weniger sandig-steinigen Böden aus Buntsandstein-Verwitterung verlangen der Rebe einiges ab. Sie halten nicht besonders gut das Wasser, sind also trocken und zudem nährstoffarm. Der Untergrund, der meist steinig ist, wenn nicht gar felsig, ist schwer durchwurzelbar. Ihr Vorteil ist die gute Durchlüftung und damit eine gute Erwärmbarkeit, was die Reifung fördert.

Und wie schmecken nun die Weine daraus? Es wäre zu schön wenn man sagen könnte, die Weine vom kiesigen Boden schmecken so, die aus Muschelkalk so, und die aus Buntsandstein-Verwitterung wiederum so. Das funktioniert nicht, denn dazu hängt die Entwicklung der inhaltlichen Werte einer Traube zu stark von der Weinbergsarbeit ab: Rebschnitt, Erziehungsmethode, Bodenbearbeitung, Bodenernährung und vieles mehr verändern Weine in unzähligen Kombinationsmöglichkeiten. Das gleiche gilt für jeden Handgriff im Keller, der den fertigen Wein in eine andere Richtung lenkt. Bis dahin haben wir noch nicht einmal den Wetterverlauf berücksichtigt.

So lassen sich allenfalls Tendenzen herausschmecken. Bei Weinen vom Buntsandstein könnte man sagen, dass die Frucht intensiver ausgeprägt sein kann und traubig-beeriger schmeckt als etwa vom Muschelkalk. Gerne wird den Weinen vom Buntsandstein eine prägnante Säure zugeschrieben, was aber wiederum stark von den Niederschlägen abhängt und dem Wasserhaushalt im Boden. Buntsandstein gilt aber eher als wasserdurchlässig, was wiederum durch die Bodenbearbeitung beeinträchtigt werden kann. Als charakteristische Aromen werden zum Vergleich gerne Zitrusfrüchte aufgezählt. Mag sein, aber da haben doch die Hefen ein Wörtchen mitzureden, und zwar ein entscheidendes. Am besten Sie probieren sich selbst durch diese fröhliche Wissenschaft.

Was ist Terroir?

In dem im französischen Weinbau gebräuchlichen Wort steckt das lateinische „terra“ (Erde), was schon erahnen lässt, dass es sich hier um die Weinbergsböden handelt. Der Begriff geht aber über den Boden hinaus und beinhaltet alle natürlichen Gegebenheiten, denen die Reben in ihrem Milieu ausgesetzt sind: das Zusammenspiel von Klima (Sonneneinstrahlung, Tages- und Nachttemperaturen, Niederschläge, …) und Böden (Geländeform, Ausrichtung, physikalische und chemische Zusammensetzung des Bodens, Wasserhaushalt …) in all seinen Facetten. Ob man nun den Faktor Mensch, der schließlich durch Rebsortenauswahl und -erziehung und Bodenbearbeitung einen starken Einfluss ausübt, mit einbezieht, ist Definitionssache.

Wie dem auch sei: man geht davon aus, dass ein spezifisches Terroir einen bestimmten Weintyp ergibt (was ohne den Eingriff des Menschen natürlich nicht möglich ist). Damit hat man sich schon in der Antike beschäftigt, was Amphoren-Funde beweisen. Auf die Spitze brachten es aber die Benediktiner- und Zisterzienser-Mönche in Burgund, die ihre Weinberge und Weine fast tausend Jahre lang beobachteten und die Lagen, also Terroirs, nach ihrer Güte definierten (Grands Crus).

In Deutschland wurde der Begriff Terroir erstmals Ende der achtziger Jahre in der Fachzeitschrift „Weinwirtschaft“ einem breiteren Publikum erläutert. Im Zuge der aktuellen Rückbesinnung auf die Lagenqualitäten ist er in der deutschen Weinszene derzeit sehr stark gebräuchlich.

Kann man Steine schmecken?

Die Rebe ist fähig, Mineralien mit dem Bodenwasser in gelöster Form, vor allem durch die Wurzeln, aufzunehmen: Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Schwefel und Stickstoff sind die häufigsten. Wer schon mal bewusst verschiedene Mineralwasser probiert hat, wird bestätigen können, dass man Unterschiede schmecken kann. Je mehr Mineralien, desto „härter“ das Wasser. Ein „hartes“ Wasser haftet auch griffiger und länger am Gaumen als ein „weiches“ Wasser, das bei einem runden Mundgefühl schneller weg ist. „Hartes“ Wasser vermittelt auch einen Eindruck von Adstringenz und Kühle. Begleitet werden diese Empfindungen bisweilen von einem salzigen Geschmack, den wir auch von einigen Mineralwassern her kennen (Staatlich Fachingen, Überkinger, Badoit, …). Im Wein kommt Kochsalz analytisch nur in geringen Mengen vor und doch spüren wir manchmal einen salzigen, salinen oder jodigen Eindruck.

Nun scheinen unsere Geschmacksknospen empfindlicher auf salzige Eindrücke zu reagieren als die Fachliteratur uns lehrt. Doch vermutlich hängt dies mit dem Zusammenspiel von Grundgeschmacksrichtungen, Mineraliengehalt, Mundgefühl und Sinnestäuschung zusammen. So wird ein Wein schon mal als „kühl mineralisch“ oder „salzig mineralisch“ empfunden, obwohl gelöste Minerale keinen erkennbaren Eigengeschmack haben. Doch wie im Mineralwasser kann man Steine in gewisser Weise auch im Wein „schmecken“.

Buntsandstein-Weine

Es ist heute chic den Gesteinsboden auf dem Etikett zu vermerken: Muschelkalk, Kalkstein, Rotliegendes, seltener Basalt oder gar Granit und natürlich Buntsandstein. Damit unterstreicht der Winzer seinen Bezug zum Boden, zum Terroir: der Wein wird nicht im Keller sondern im Weinberg gemacht. Das ist im qualitätsorientierten Segment moderne Denke und beweist Kompetenz.

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: diepfalz.de

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Frank John, Neustadt-Königsbach › johnwein.de
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Wein- und Sektgut Immengarten Hof, Maikammer › immengarten-hof.de
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Wein- und Sekthaus Aloisiushof, Sankt Martin › aloisiushof.de
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