Nicht so polternd laut wie der Riesling, sondern ein vornehmer Typ mit guten Manieren – Weißburgunder ist mit seinem Saft und Schmelz der ideale Menüwein, sofern er aus gutem Hause stammt.

Lage, Lage, Lage…

… das sind die drei wichtigsten Kriterien für einen gelungenen Weißburgunder. Er mag nicht nur kalkhaltige Böden, er braucht sie. Deshalb gedeiht er an der Deutschen Weinstraße besonders gut, denn hier findet er parzellenweise kalkhaltige Lößablagerungen und spektakuläre Muschelkalkformationen vor. Der Weißburgunder ist ein Mitglied der Burgunder-Familie und soll laut Ampelographen durch Mutation des Grauburgunders entstanden sein, der wiederum als hellere Version aus dem Spätburgunder mutiert sein soll.

Vermutlich stammt er tatsächlich aus Burgund, zumindest wurde dort die älteste urkundliche Erwähnung gefunden (14. Jahrhundert). Noch heute wächst im Burgund Weißburgunder, zumindest ist er in der ein oder anderen Appellation noch geduldet, wird in der Regel aber nach und nach durch den international renommierten Chardonnay ersetzt, mit dem er optisch leicht zu verwechseln ist, obwohl er nach derzeitigem Wissensstand nicht mit ihm verwandt sein soll. Es gibt beide übrigens auch als Mischsatz, sowohl im Burgund als auch in der Pfalz.

Im renommierten Weingut Knipser in Laumersheim steht der Weißburgunder überwiegend mit dem Chardonnay gemeinsam im Weinberg und beide werden gemeinsam gekeltert. Dabei erhofft man sich vom Chardonnay die Würze und vom Weißburgunder Kraft und Schmelz. Größer als im Burgund ist die Bedeutung des Weißburgunders in Norditalien (Pinot bianco), ein wenig in der Schweiz und in Österreich, in Baden (etwa ein Drittel der deutschen Weißburgunderfläche) und natürlich im Elsass. Beim südlichen, französischen Nachbarn der Pfalz wird dem Weißburgunder allerdings nicht die gleiche Wertschätzung entgegen gebracht wie bei uns. Hier muss sich der Pinot Blanc (auch Klevner genannt) meist mit der Rolle des Lieferanten für Schaumwein (Crémant d’Alsace) zufrieden geben, was er allerdings mit attraktivem Ergebnis erledigt.

Gehobene Karriere in der Pfalz

In der Pfalz ist das alles ein bisschen anders. Hier darf Weißburgunder Karriere in den oberen Etagen machen, dem Ansehen nach zwar immer noch unter dem Riesling, aber deutlich oberhalb der üblichen Allerweltsreben. Dabei gehörte der Weißburgunder in der Pfalz nie zu den beliebtesten Sorten wie einst der Silvaner, später der Müller-Thurgau oder heute der Riesling. Im Gegenteil: Mit nur 3,5 % Flächenanteil (aber immerhin ein Drittel des deutschen Weißburgunders) riskierte er sogar in der Statistik unter „Sonstige“ zu verschwinden. Vielleicht liegt es daran, dass sich mit ihm, irgendwo angepflanzt, nicht so leicht hohe Erträge bei gleichzeitiger Vollreife erzielen lassen. Aber das ehrt ihn schließlich.

Zudem ist er weinbaulich eher ein schwieriger Geselle (dünnhäutig, anfällig gegen Mehltau) und stellt hohe Ansprüche an die Lage. Denn nur an guten Standorten ist es ihm möglich, ausreichende Reife zu erlangen. „Burgundersorten brauchen eine gewisse natürliche Mindestreife, um sich voll entfalten zu können“, weiß Winzerlegende Hans-Günter Schwarz. Zudem will er unbedingt kalkhaltige Böden, in denen er seine subtile, helle Aromatik entwickeln kann. Diese Voraussetzungen werden nun mal nicht überall geboten.

Eine der ersten, die den Weißburgunder in der Pfalz bekannt machte, war die Familie Bergdolt. Ende der achtziger Jahre machte unter Weinfreunden der Geheimtipp die Runde, dass da ein Weingut ausgerechnet in der Ebene, im nicht gerade für seine Weine bekannten Duttweiler, weit ab im östlichen Jenseits der Weinstrasse, gute Tropfen auf die Flasche bringt. Die Bergdolts traten nicht nur als erste den Beweis an, dass man auch außerhalb traditionell renommierter Weindörfer gute Weine erzeugen kann, sie überraschten dabei vor allem mit ihren Weißburgundern vom Kirrweiler Mandelberg, die man bis dahin so geschliffen und strukturiert in der Pfalz nicht kannte. Dabei ist der Mandelberg übrigens kein Berg sondern mit Ach und Krach ein Hügel, an dessen südlicher Hangneigung die kalkhaltigen Lössböden der Entwicklung des Burgunders entgegen kommen.

An der Südlichen Weinstraße dürfte das Birkweiler Weingut Dr. Wehrheim als einer der Burgunder-Pioniere anzusehen sein. Weißburgunder ist bei den Wehrheims seit den fünfziger Jahren im Anbau, heute sind mehrere Qualitäten vom Buntsandstein und Muschelkalk im Angebot bis hin zu „Grossen Gewächsen“ (VDP-Klassifikation) vom steilen Mandelberg.

Auch die Neustadter Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau (das heutige DLR) half dem Weißburgunder in seiner Karriere. An der Kleinen Kalmit wurde einst zu Versuchszwecken Weißburgunder gepflanzt, was langfristig dazu beitrug, das Örtchen Ilbesheim am Fuße der geologischen Kuriosität (eine vom Pfälzer Wald losgelöste Erhebung) zu einem Weißburgunder-Spezialisten zu machen, nachdem man das Potenzial der Sorte im Kalksteinverwitterungsboden erkannt hatte.

In der Lage Rittersberg legten die Ilbesheimer zudem einen „historischen Kalmitwingert“ an, in dem in 19 verschiedenen Erziehungsformen quasi die Geschichte des Weinbaus optisch nachvollziehbar demonstriert wird. Hierfür wurde nur eine Rebsorte gewählt: der Weißburgunder. In dem südpfälzischen Ort will man wohl genau wissen, was mit der Sorte möglich ist. In Ilbesheim wird seit über zehn Jahren ein Weißburgunderpreis vergeben, bei dem Winzer aus der ganzen Pfalz gegeneinander antreten (vgl. Kasten), wobei die Südpfälzer hier meist ein Heimspiel haben.

Vom Zech- zum Menü-Wein

Dabei sind die Ausdrucksformen des Weißburgunders recht unterschiedlich. Es gibt ihn vom schlanken, nervösen, geradlinigen Zech-Wein bis hin zum kraftvollen Menübegleiter mit Schmelz und Tiefe.
In seinem aromatischen Ausdruck ist der Weißburgunder eher diskret. Die Bandbreite reicht hier von frischer Primäraromatik (Apfel, gelbe Früchte…) bis hin zu nussig-buttrigen Noten mit mehr oder weniger mineralischem Kick (Heu, selten Feuerstein…). In der leichten Version gefällt er sich zu Krusten- und Schalentieren, auch zu Spargel, die kräftigeren Varianten bereichern Fisch- und Geflügelgerichte mit hellen Saucen bis hin zu Kalbsmedaillons und selbst schwer zu begleitende Eierspeisen schafft er, ohne zu dominieren. Ein stiller, vornehmer Typ mit Eleganz auf Distanz also, somit eigentlich kein uriger Pfälzer, sondern ein Mann von Welt.

Berühmte Weißburgunder-Lagen

Kalkhaltige Böden sind eine Voraussetzung für große Burgunderweine. Sie zu erkunden, zu studieren und zu klassifizieren und mit Burgundersorten zu bepflanzen ist sicherlich mit ein Verdienst des VDP Pfalz, der Vereinigung qualitätsorientierter Weingüter, die sich Prädikatsweingüter nennen. Aber auch außerhalb der VDP-Elite wird der Weißburgunder vielfach gehegt und gepflegt.

Text: Michael Hornickel [mHo]
Fotos: diepfalz.de

Birkweiler Mandelberg

Eine der spannendsten Burgunder-Lagen der Pfalz mit 15-20-prozentiger Hangneigung gen Süd/Südost. Im Muschelkalk-Boden finden sich heute noch Versteinerungen von Meeresflora und -fauna. Die Oberfläche ist übersät von kleinen, weißen Kalksteinen.
Weingüter: Dr. Wehrheim, Gies-Düppel, 
Siener, Johannes Kleinmann

#budisfoodblog #siener #mandelberg #pfalz #weisserburgunder #2010 #wine

Ein von budisfoodblog (@budisfoodblog) gepostetes Foto am

Godramsteiner Münzberg

Einst schwer zugängliche Terrassenweinberge mit Natursteinstützmauern, die Heimat für Eidechsen und Schlangen boten, wodurch der Gewann-Name Schlangenpfiff entstand, in dem heute in Kalk- und Muschelkalkböden auch Burgundersorten gedeihen.
Weingüter: Münzberg (Keßler und Söhne), Heiner Sauer

reife gelbe Früchte, Honig, füllig=2011, geiler Alleskönner zum Essen #bergdolt #weissburgunder #gg #pfalz

Ein von Christoph Ernst (@ch_ernst) gepostetes Foto am

Ilbesheimer Rittersberg

Keine homogene Lage, aber mit eingestreuten kalkhaltigen Parzellen vor allem um die Kleine Kalmit, die höchste dem Pfälzer Wald vorgelagerte Erhebung in der Rheinebene. Die geologische Kuriosität entstand aus Kalk- und Muschelablagerungen eines urzeitlichen Meeres, ideal für den Anbau von Burgundersorten, was in Ilbesheim stark gefördert wird.
Weingüter: Kranz, Leiner, Pfirrmann

Kirrweiler Mandelberg

Der Mandelberg ist ein so genannter Riedel, ein Höhenzug in West/Ost-Richtung mit parallel verlaufenden Bachtälern, die den Höhenzug im Norden und Süden begrenzen. Der 9,5 Hektar große, nur sanft hügelige Mandelberg liegt auf der Südseite und bietet dem Weißburgunder vom Wind herangetragenen kalkhaltigen Quarzstaub, durchmischt im vorhandenen Sand und Lehm.
Weingüter: Bergdolt – St. Lamprecht (Duttweiler)

Laumersheimer Kirschgarten

Der Lößlehmboden mit Kalkgestein im Untergrund der immerhin 45 Hektar großen Lage erbringt füllige, dichte Burgunderweine.
Weingüter: Philipp Kuhn, Zelt

 Schweigener Sonnenberg

Der Sonnenberg ist eine grenzübergreifende Lage mit Blick auf Weißenburg. Die hoch gelegene Parzelle Rädling erlaubt im Kalkmergel mit Kalkfelsen im Untergrund säurefrische Burgunderweine.
Weingüter: Bernhart, Jülg, Scheu

Siebeldinger Im Sonnenschein

Im Sonnenschein ist einer der wenigen prall zur Sonne orientierten Südhänge der Pfalz, deren Weinlagen ansonsten durch die Nord/Süd-Ausrichtung des Rheingrabens meist östlich oder südöstlich orientiert sind. Die Bodenbeschaffenheit der 100 Hektar großen Lage stammt von verschiedenen Formationen; in den marinen Muschelkalk-Parzellen wurden Burgundersorten gepflanzt.
Weingüter: Ökonomierat Rebholz, Wilhelmshof

Passt heute hervorragend zur Sonne, aber leicht gekühlt #pinotnoir #pinot #rebholz #sonnenschein #instawine

Ein von Thomas Günther (@weinverkostungen.de) gepostetes Foto am

Ungsteiner Herrenberg

Der Herrenberg (45 Hektar) ist eine Lößlehm-Insel mit hohem Kalksteingehalt im ansonsten üblichen Buntsandstein der Mittelhaardt. Die Parzelle „Vogelsang“ wiederum ist innerhalb des Herrenbergs eine Weißburgunder-Insel im ansonsten üblichen Riesling-Meer.
Weingüter: Pfeffingen (Fuhrmann-Eymael)

Links

Empfehlenswerte Weißburgunder-Winzer:

Weingut Bergdolt, Neustadt › weingut-bergdolt.de
Aloisiushof, St. Martin › aloisiushof.de
Ellermann-Spiegel, Kleinfischlingen › ellermann-spiegel.de
Weingut Graeber, Edenkoben › weingut-graeber.de
Weingut Gerhard Klein, Hainfeld › weingut-gerhard-klein.de
Weingut Lidy, Frankweiler › weingut-lidy.de
Weingut Stefan Meyer, Rhodt › meyer-rhodt.de
Weingut Porzelt, Klingenmünster › weingut-porzelt.de
Weinhof Scheu, Schweigen-Rechtenbach › weinhof-scheu.de
Weingut Wageck-Pfaffmann, Bissersheim › wageck-pfaffmann.de
Weingut Felix Waldkirch, Rhodt › weinstube-waldkirch.de
Weingut Knipser, Laumersheim › weingut-knipser.de
Weingut Dr. Wehrheim, Birkweiler › weingut-wehrheim.de

Weitere Links

Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau) › dlr-rheinpfalz.rlp.de
VDP Pfalz › vdp-pfalz.de

Weitere Beiträge

Summary
Article Name
Weißburgunder: Anbau, Aroma und Geschichte
Description
Nicht so polternd laut wie der Riesling, sondern ein vornehmer Typ mit guten Manieren – Weißburgunder ist mit seinem Saft und Schmelz der ideale Menüwein, sofern er aus gutem Hause stammt.
Publisher Name
Die Pfalz
Publisher Logo