Rheinland-Pfalz ist das Land mit der größten absoluten Eichenfläche in Deutschland. Mit nahezu 158.000 ha liegt ihr Anteil nach den Ergebnissen der Bundeswaldinventur-2 bei über 18 %. Dieser Wert zeigt zugleich, dass der Erhalt der Eiche in einem Land, dessen natürliche Waldgesellschaften überwiegend von Buche dominiert werden, ganz maßgeblich durch Bewirtschaftung und besondere forsthistorische Entwicklungen geprägt ist.

Als Lichtbaumarten sind die Eichen durch Niederwaldwirtschaft über Jahrhunderte begünstigt worden, wodurch sich ihr hoher Anteil in den Genossenschafts- und Gemeindewäldern im Norden des Landes erklären lässt. Doch auch die umfangreichen Waldumbauprogramme nach den Stürmen 1984 und 1990 haben der Trauben- und der Stieleiche nennenswerte Areale gesichert. Das „Fenster für die Eiche“ öffnet sich sehr oft in der Katastrophe.

Das allseits bekannte Markenprodukt „Pfälzerwald-Eiche“ im Südteil des Landes, hier insbesondere in den großen zusammenhängenden Staatswaldblöcken im inneren Pfälzerwald sowie der Südwest- und Südpfalz, reicht in den Ursprüngen in die vornapoleonische Zeit zurück. Bei ihrem Einsatz zur Rettung der Eichenwälder dachten die Staatsmänner aber nicht daran, dass die Weinindustrie in 200 Jahren vermehrt Eichen für den Bau von Barriques benötigen würde, sondern vielmehr daran, in Zukunft genügend Holz für den Schiffsbau zur Verfügung zu haben. Während der bayerischen Zeit wurde das Produktionsprogramm zur Erzeugung von Werteichen weiter entwickelt und in Regelwerken verankert.

Mit gut 26.000 Hektar ist die Eichenfläche im Staatswald des Landes vergleichsweise groß, im Vergleich zur Gesamtfläche der Eichenwälder in den USA mit 45 Millionen Hektar aber geradezu verschwindend gering.

Dennoch ist die wirtschaftliche Bedeutung dieser Baumart – im Pfälzerwald meist die Traubeneiche – von besonderem Gewicht. Mit einem Anteil von 7,5 % am Gesamteinschlag im Staatswald werden über 12 % aller Holzverkaufseinnahmen realisiert. Die Sorten Furnier und Teilfurnier tragen hierbei zu 35 % aller Eichen-Erlöse bei: Die Sorte Fassbauholz trägt 45% der Eichen-Erlöse bei. Das Forstamt Johanniskreuz, im Zentrum des Pfälzerwaldes gelegen, erzielt mit rund 1 % des Holzaufkommens 15 % aller Einnahmen. Dies zeigt, welche Potentiale in der Eichenwertholzproduktion liegen und es aller Mühe wert ist, Konzepte zu entwickeln, dieses Marktsegment effizient auszubauen und weiterhin nachhaltig dieses Produkt zu liefern.

LUFTAUFNAHME – Pfälzerwald mit den Burgen Drachenfels und Fleckenstein © diepfalz.de
LUFTAUFNAHME – Pfälzerwald mit den Burgen Drachenfels und Fleckenstein © diepfalz.de

Doch nicht nur als Wirtschaftsgut, sondern auch als Kultur- und Naturgut hat die Eiche im Pfälzerwald eine herausragende Stellung. Ihre Habitat-Eigenschaften sind äußerst vielfältig, ganze Lebensgemeinschaften finden sich in ihrer Krone und auf ihrer Rinde. In der Zersetzungsphase bieten die Stämme diversen Käfern und Pilzen Raum. Durch ihre langfristigen Lebenszyklen haben Eichen eine besondere Bedeutung für Habitatkontinuität in der Fläche. Die Ziele einer naturnahen, nachhaltigen und werterzeugenden Eichenwirtschaft sind daher gleichermaßen reizvoll wie hoch.

Von den 450 verschiedenen Eichenarten, die botanisch zur Familie Quercus zählen, werden nur drei Hauptgruppen als Grundholz für die Fass-Herstellung verwendet. Die Traubeneiche (Quercus sessilis) und die Stieleiche (Quercus robur), beide europäischen Ursprungs, sowie die amerikanische Weißeiche (Quercus alba), die, wie der Name bereits sagt, in Amerika ihren Ursprung hat. Diese drei Eichenarten haben eine ähnliche Grundcharakteristik und Struktur, doch gibt es in ihrer physikalischen und chemischen Zusammensetzung einige Unterschiede, die es wiederum leicht machen, sie zu unterscheiden.

In der Pfalz wachsen zwei Eichenarten, die für den Fassbau Verwendung finden: Die Traubeneiche und die Stieleiche. Übrigens stammt der Name Traubeneiche nicht, wie üblicherweise immer behauptet wird von ihrer bevorzugten Verwendung als Fassdaubenholz, sondern von der sitzend traubigen Anordnung der Früchte, den Eicheln.

Die Stieleiche bevorzugt feuchte, tiefgründige Erde in den Tälern und Ebenen. Ein typischer Standort für die Stieleiche in der Pfalz stellt der Bienwald mit seinen wechselfrischen eiszeitlichen Sanden dar. Im Durchschnitt um die 100 Höhenmeter hoch und deutlich wärmer als zum Beispiel der Standort Johanniskreuz mit seinen mittelfruchtbaren-mäßig frischen Braunerden, der um die 500 Höhenmeter hoch liegt und deutlich geringere Temperaturwerte aufweist als der Standort Bienwald. Die Traubeneiche gedeiht mehr in den Hügeln und Bergen und braucht generell weniger Feuchtigkeit als die Stieleiche. Da sind die warmen und trockenen, nach Südosten geneigten Hänge des höheren Pfälzerwaldes um Johanniskreuz mit seinen gut drainierenden Sandsteinböden genau der richtige Standort.

AUSSICHTSPUNKT – Blick auf den Pfälzerwald © diepfalz.de
AUSSICHTSPUNKT – Blick auf den Pfälzerwald © diepfalz.de

Das sowohl national aber auch international stark wachsende Interesse nach Eichenholz für die Barrique- und Holzfassherstellung hat das Augenmerk zunehmend auf die Pfälzer Traubeneiche gelenkt. Trotz hohen Arbeitskosten im Vergleich zu USA und Osteuropa steigt die Nachfrage nach dem Pfälzer Edelholz stetig. Grund hierfür ist die sehr seltene Mischung aus wasserdurchlässigen Böden und milder, ausgeglichener Witterung, die für einen gleichmäßigen und langsamen Wuchs der Stämme sorgt. Das ist wiederum die Voraussetzung für hochwertige Holzfässer. Diese zeichnen sich durch ihre Dichtigkeit und spezielle reintönige Aromatik aus.

So gelingt es dem Winzer, einen Wein zu produzieren, der durch gekonntes Küferhandwerk veredelte Holzaromen trägt und damit den Ausdruck des Weines verstärkt und stützt. Dieser Effekt wird nicht nur in der Pfalz und Deutschland, sondern zunehmend auch in Frankreich, Österreich, Italien und anderen weinbautreibenden Nationen in Europa erkannt.

Und so drängen sich die Internationalen Fasshersteller auf den alljährlich stattfindenden Holzauktionen in Johanniskreuz und treiben Jahr um Jahr die Preise für das begehrte Winzerglück in die Höhe. Längst werden Pfälzer Eichen bei den renommiertesten Fassherstellern, die mittlerweile ähnlichen Kultstatus wie Uhrmacher oder Modedesigner erreicht haben, als Luxusprodukt verwendet. Aufgrund seiner Knappheit und seines Preises wird das Pfälzer Eichenholz deshalb immer öfter mit Hölzern anderer Herkunft gemischt gebunden, also vermengt.

 

Text: Frank John
Fotos: gliglag.de, Fassmanufaktur Mattern

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Pfälzer Eichen für den Fassbau
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